Bogen-DM Wiesbaden: Top-Bedingungen, Top-Sport
Perfekte Bedingungen bei 25°C und Sonnenschein sorgten bei den Deutschen Meisterschaften Bogensport auf dem Bowling Green in Wiesbaden für strahlende Gesichter beim Deutschen Schützenbund als Ausrichter, bei den Zuschauern und den siegreichen Sportlerinnen und Sportlern. Jennifer Walter (SV Weil im Schönbuch) gewann die Konkurrenz bei den Compound-Frauen, Yannic Arnold (TV Schiefbahn 1899 e.V.-BoSp) triumphierte bei den Männern.
Compound Frauen: Jennifer Walter erstmals ganz oben
Nach längerem Überlegen fiel der Groschen: „Tatsächlich, das ist der erste Freiluft-Titel für mich!“ Jennifer Walter (SV Weil im Schönbuch) war nach dem souveränen 143:138 gegen Katharina Landrock (Treff Schimborn) kurz orientierungslos, dann analysierte sie jedoch ganz scharf: „Ich bin mit einem guten Gefühl in das Match reingegangen, zumal ich weiß, dass ich in einem Finalmatch mehr schießen kann als in der Vorrunde. Es interessiert mich nicht, was die Gegnerin schießt, sondern ich schieße für mich.“ Und das tat sie gut. Nach ausgeglichenem Beginn sorgte die dritte Passe für die Vorentscheidung: Während Landrock 27 Ringe erzielte, gelang Walter die perfekte Passe (30) und die Erkenntnis: „Der Titel bestätigt, dass, was man macht, nicht ganz falsch sein kann.“ Schließlich hat die Kaderschützin hohe Ziele, deren Erfüllung in diesem Jahr nicht so war wie gewünscht: „Es ist auf jeden Fall schön, nach einem durchwachsenen Jahr so einen Abschluss zu haben. Und hier zu schießen, ist einfach schön.“ Sophie Wagner (SV Wechterswinkel) sicherte sich nach Rang vier im Vorjahr die Bronzemedaille durch ein 139:136 gegen Julia Böhnke (TV Meßkirch).
Compound Männer: Yannic Arnold mit Taktik zum ersten Titel
Die deutschen Compound-Männer zählen mittlerweile zur internationalen Spitzenklasse: WM- und EM-Titel im Nachwuchsbereich sowie Medaillen im Weltcup sind Beweis dafür. Und im Spitzenbereich ist jede Neun fast schon ein Makel, deswegen hatte Ruven Flüß (BSV Eppinghoven 1743) im Goldfinale nach seiner fünften Neun nur ein Schulterzucken übrig. Deutlich besser lief es für Yannic Arnold (TV Schiefbahn 1899 e.V.-BoSp), der enorm stabil auftrat und seinen Vorsprung nach und nach ausbaute. Dabei kam ihm eine besondere Taktik zugute: „Ich habe ihn bewusst vorschießen lassen. Ich bin einer, der sich das anguckt und dann macht.“ Und das machte er so gut, dass er am Ende das Match locker ausklingen lassen konnte: „Ich musste die letzten Pfeile nur noch reinschießen.“ Das 145:141 war zu keiner Zeit gefährdet und nach dem Titel im 3D-Bogenschießen vor zwei Wochen machte Arnold mit seinem Premieren-Titel über 50m das Double perfekt. Im Generationenduell behielt der mehrfache Deutsche Meister Henning Lüpkemann (TV Meßkirch) mit 144:142 die Oberhand über Junioren-Europameister Noah Nuber (SSV Baiertal 1925) und gewann Bronze.
Recurve Jugend w/m: Die Hauptstadt dominiert
Bei der weiblichen Jugend hieß es „Hauptstadt gegen Mittelstadt“, denn sowohl im Gold- als auch im Bronzefinale schossen Athletinnen vom BSSC Olympia gegen Schützinnen von der SG Bad Salzuflen. Nachdem sich Pia Kallina (BSSC Olympia) die Bronzemedaille durch ein 6:4 (24-24, 25-29, 25-25, 25-24, 25-24) gegen Celina Kehrein (SG Bad Salzuflen) gesichert hatte, blickten alle gespannt auf das Goldfinale zwischen Lina Koslowski (BSSC Olympia) und Lina Marie Paul (SG Bad Salzuflen). Und auch hier jubelte am Ende die Hauptstadt, denn Koslowski zeigte vom ersten Pfeil an eine bärenstarke Leistung, die sich im 6:0 (29-27, 27-22, 29-28) auch in Zahlen ausdrückte. Anschließend wurde sofort ein Video-Anruf getätigt, um mit Mutter, Tante, Schwester und Cousins zu sprechen, die das Ganze per Livestream verfolgt hatten. „Es ist mein erstes Jahr auf 60 Meter, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich Deutscher Meister werde. Aber ich habe sehr konzentriert geschossen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht und jetzt ist es einfach pure Freude“, so die Siegerin, die nach der Qualifikation „nur“ Neunte war, dann aber das Feld von hinten aufrollte.
Bei der männlichen Jugend stand bereits von vorneherein der Siegerverein fest, denn mit Johann Conrad und Jannik Heinrich kamen beide Goldfinalisten ebenfalls vom BSSC Olympia. Und die beiden Freunde, Trainingspartner und Kaderkollegen lieferten sich ein Duell vom Feinsten: „Es war natürlich aufregend! Am Anfang ist Johann nicht so gut gestartet, ich dagegen sehr gut. Dann hat er zwei 29-er geschossen, und da ist mein Puls schon hoch gegangen“, sagte Heinrich danach. Denn es kam schließlich nach dem 5:5 (29-26, 27-25, 28-29, 25-29, 28-28) sogar zum Stechen. Und in diesem legte Conrad eine Zehn vor, doch der Konter von Heinrich kam und war um exakt 2,67 Zentimeter näher am Zentrum als der des Konkurrenten. Die Zuschauer tobten, der neue Meister war ganz relaxed danach: „Im Stechen musste ich eine Zehn schießen, und es hat zum Glück funktioniert. Eine Zehn ist anspruchsvoll, aber eine Zehn in so einer Drucksituation zu schießen, das ist pure Freunde.“ Über seinen ersten DM-Titel im Einzel meinte er abschließend: „Ich habe dieses Jahr EM-Silber im Mixed mit Merle Edlich geholt, aber hier im Einzel den Titel zu holen, ist sehr besonders.“ Bronze ging an Titelverteidiger Emil Sperber nach einem 6:0 (29-27, 29-27, 27-22) gegen Johannes Berner (TSV Waldtrudering).

Recurve Frauen & Männer: Favoriten fast alle im Halbfinale
Der finale Sonntag auf dem Bowling Green verspricht Spannung und Top-Bogensport pur, denn in den Halbfinals und den dann folgenden Medaillenmatches stehen fast ausschließlich die Favoriten. Mit Andreas Mayr (Edelweiß Thierhaupten) hat sich ein Überraschungs-Schütze für das Halbfinale qualifiziert, denn Mayr besiegte in seinem Viertelfinale Florian Unruh (SSC Fockbek) mit 6:4. Mayr trifft in seinem Halbfinale auf Mathias Kramer (BSC Werlte), das andere Semifinale bestreiten Jonathan Vetter (SGi Ditzingen) und Moritz Wieser (FSG Tacherting). Letztgenannter hatte sich in einem ganz besonderen Viertelfinale durchgesetzt, denn in diesem ging es gegen seinen Bruder Felix, den er nach hartem Kampf 6:4 besiegte.
Bei den Frauen kommt es zu den Halbfinals Elisa Tartler (SV Bavaria Thulba) vs. Elina Idensen (BSC BB-Berlin) und Charline Scheiding (GS Boxdorf) vs. Johanna Klinger (PSV München) – vier Kaderschützinnen sind unter sich. Wobei vor allem auf Tartler ein besonderes Augenmerk liegt, denn die 27-Jährige hatte kurz vor der DM ihren Rücktritt vom Leistungssport angekündigt.
Recurve Junioren w/m: Kaderschützen unter sich
Und auch bei den Juniorinnen und Junioren dürfte sich Bundestrainer Freddy Siebert über das Abschneiden seiner „Auserwählten“ freuen. Denn ausschließlich Kaderschützen kämpfen um die Medaillen, namentlich sind das: Leon Zemella (BSC Ibbenbüren) vs. Titelverteidiger Lilian Forkert (SV Sterzhausen) und Jakob Weske (SV Erfurt West) vs. Knut Jacubczik (VfL Tremsbüttel) bei den Junioren sowie Frida Janke (BSSC Olympia) vs. Melina Koepper (BSC BB-Berlin) und Titelverteidigerin Lisa Lucks (BSC BB-Berlin) vs. Regina Kellerer (BSG Raubling).
Compound Master w/m: Mit Wut zum Titel
Ganz souverän die eine, hauchdünn der andere. So war der Ausgang in der Compound Masterklasse. Die neue Titelträgerin Susanne Engemann (BSV Teningen) legte den Grundstein für ihren Premierensieg bereits in der ersten Hälfte des Wettkampfes, denn ihre 331 Ringe bedeuteten acht Ringe Vorsprung. Da sie auch danach konstant agierte und erneut die 331 Ringe erzielte, war der Sieg mit am Ende elf Ringen Vorsprung vor Patricia Roth und 13 Ringen vor Annett von Leffern (beide Team Roth Bogensport) verdient und souverän: „Der Titel bedeutet mir sehr viel, weil ich damit nicht gerechnet habe. Es ist der erste Titel für mich über 50m, in der Halle hatte ich schon einen gewonnen – deshalb ist das Wahnsinn.“
Mit diesem Wort kann man auch den Titelgewinn von Kaj Liebherr (SGi Ditzingen) umschreiben, denn der neue Deutscher Meister bei den Männern gewann trotz eines Malheurs: „Der Titel war sehr überraschend, weil ich ein M (Schuss ohne Wertung, Anm. d. Red.) drin hatte, sodass ich den Titel schon abgeschrieben habe. Danach habe ich mit Wut geschossen und 60-er und 59-er Passen erzielt.“ Am Ende hatte er exakt einen Ring Vorsprung vor Sven Schmitz (SuSC Müllenborn), der wiederum einen Ring vor Christian Rohe (SC-U Germering) lag.
Compound Senioren: Klaus Marschar verhindert Hattrick
In der ältesten Klasse wollte Hans Armbruster (SV Echo Wiesental) nach den Titeln 2024 und 2025 den Hattrick perfekt machen. Doch nach der Hälfte des Wettkampfes lag er bereits sieben Ringe hinter Klaus Marschar (SV Eisental), der auch in Hälfte zwei stabil blieb und sich am Ende mit 669 Ringen verdient seinen ersten Titel sicherte und davon überrascht war: „Das war nicht absehbar, ich wollte unter die Top Fünf kommen. Es war mein erster Titelgewinn über 50m, ich bin sehr glücklich darüber.“ Armbruster sicherte sich mit fünf Ringen Rückstand Silber, Bronze ging an Franz Tamegger (Auracher BC).
Compound Jugend: Gianluca De Silvio souverän vor Mixed-Partnerin
In der Compound-Jugend schossen Mädchen und Jungen in einer Klasse. Und so kam es zu der Kuriosität, dass die Vize-Europameister im Mixed, Lisa Zettl (BC Keltenschanze München) und Gianluca De Silvio (B.S.C. Laufdorf), wie in Rom bei der EM nebeneinanderstanden, dieses Mal jedoch als Gegner. Am Ende sicherte sich der letztjährige Vizemeister De Silvio mit 691 Ringen souverän den Titel, 24 Ringe dahinter gewann Zettl Silber, Bronze holte sich Fabio Rabenseifner (SV Lehmingen-Dornstadt). Der neue Meister meinte danach: „Es war schon schön, eine DM zu gewinnen, vor allem nach dem Saisonhöhepunkt mit der EM in Rom. Es war ein toller Abschlusssaison der Outdoor-Saison. Es war absehbar, dass ich 690 bis 700 schießen würde. Dass es zum Sieg reicht, hängt natürlich von den Mitschützen ab.“
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