Die Finals Hannover: Die ersten drei Titel sind vergeben
Viele Tausende Pfeile sind bereits am ersten Tag von Die Finals in Hannover geflogen, die ersten Deutschen Meister in den Mixed-Wettbewerben sind gekürt: Annette Cremer & Peter Hütten (Kölner Klub für Bogensport 1, Recurve Master), Jennifer Lieb & Timo Heydasch (Elberfelder TG 1847 Korp. 1, Blankbogen) und Jutta Eckart & Alberg Galliard (TV Blomberg 2, Recurve Senioren) jubelten über die DM-Titel. Die Konkurrenzen mit dem Compoundbogen und dem Recurvebogen Ü18 wurden bis einschließlich der Halbfinals ausgetragen und sehen die Favoriten vorne.
Frühstart! Bereits um 9.28 Uhr (und nicht erst wie geplant um 9.30 Uhr) flogen die ersten Wettkampfpfeile auf die 62 (!) Scheiben. Dabei kämpften die Teilnehmer mit den Temperaturen, es waren zunächst gefühlte 15°C und den böigen Winden: „Es ist schwierig zu schießen“, urteilte Team-Europameister Moritz Wieser. Um 13.00 Uhr war die Qualifikation beendet, aus dem sich die Setzliste und Paarungen für die Ko-Phase ableitete. Als Führende gingen folgende Teams in die Ko-Phase: Katharina Bauer & Moritz Wieser (BSG Raubling 3 – Ü18 Recurve), Beatrice Danielzyk & Markus Zellmann (Kölner Klub für Bogensport 4 – Recurve Master), Jutta Eckart & Albert Galliard (TV Blomberg 2 – Recurve Senioren), Katharina Raab & Matthias Raab (Oberallgäuer Gauschützen 1 - Compound) und Jennifer Lieb & Timo Heydasch (Elberfelder TV 1847 Korp. 1 – Blank), die mit 1203 Ringen sogar einen neuen Deutschen Rekord aufstellten. Dabei dominierten diese Teams die Konkurrenzen deutlich, der geringste Abstand zum Zweitplatzierten waren 16 Ringe
Recurve Master: Kölner freuen sich wie Bolle
Während sich Annette Cremer & Peter Hütten (Kölner Klub für Bogensport 1) u.a. mit zwei Stech-Erfolgen in das Finale kämpften, war der Weg für Andrea Sommer & Thomas Siegrist (BSC Oppenheim 1) relativ komfortabel und problemlos mit zwei 5:3- und einem 6:0-Sieg. Im Finale hatte lange Zeit das Team aus Oppenheim die Oberhand, vergab aber die Siegchance. Und so kam es nach dem 4:4 (33-30, 29-34, 29-35, 35-31) zur Spezialdisziplin der Kölner, zum Stechen. Und in diesem hieß es zwar erneut Unentschieden (15:15), der beste Pfeil war aber ein Kölner: „Ich freue mich wie Bolle“, jubelte Cremer und sagte: „Für mich ist es der erste Titel, wir waren mal Vierte in Berlin, das ist aber lange her.“ Das Erfolgsrezept des Teams? „Wir wollten genießen und uns nicht unter Druck setzen. Es wurde immer enger nach oben, jetzt sind wir glücklich, dass wir durch sind und wir alles mitgemacht haben.“ Und Teampartner Hütten ergänzte: „Einfach cool sein und einfach machen!“ Das gelang tadellos, auch wenn es zum Teil weh tat: „Wir haben zwei Mannschaften von uns rausgewuppt, da hatten wir natürlich die Verpflichtung“, so Cremer. Auch die Bronzemedaille ging an den Kölner Klub, da sich die Qualifikationssieger Beatrice Danielzyk & Markus Zellmann 6:0 (29-25, 30-26, 34-23) gegen Sonja Kilb & Volker Drahuniak (BSG Raubling 4) durchsetzten.
Recurve Senioren: Mit keiner Ahnung zum DM-Titel
Bogensport macht Spaß und kann bis ins höhere Alter betrieben werden. Paradebeispiel dafür ist Jutta Eckart, die mit ihrem Partner Alberg Galliard (TV Blomberg 2) den Titel bei den Recurve Senioren durch ein 5:4 (25-33, 37-36, 32-29, 29-30 16-13) gegen Ingeborg Buchmann & Friedhelm Hornemann (Bogensport-Club Wunstorf 2) gewann: „Ich war noch nie Deutscher Meister, und auf so einem Event war ich auch noch nie, ich hatte von nix Ahnung, ich habe einfach geschossen“, so die 75-Jährige, die erst seit neun Jahren dem Bogensport frönt („Ich nehme alles mit, was geht und trainiere im Sommer fünf Mal die Woche!“). Da ihr der Bogensport so viel Spaß macht („Der Bogensport gibt mir das, was ich von meinem Charakter nicht habe: Ruhe.“) genossen sie und Galliard das Event in vollen Zügen und bis zum letzten Pfeil: Alle ihre Matches in der Ko-Phase gingen ins Stechen: „Das hätte nicht sein müssen, darauf hätte ich gerne verzichtet, das war nervenaufreibend.“ Bronze ging an die Titelverteidiger Elke Lohkamp & Klaus Thissen (BogenTeam Cölln 1), die ebenfalls im Stechen 5:4 (30-33, 34-28, 30-26, 22-33, 15-13) gegen Evelin Manz & Andreas Tornow (Sgi Welzheim 1) gewannen.

Blankbogen: Lieb & Heydasch pflügen durchs Feld
Jennifer Lieb & Timo Heydasch pflügten durch das Blankbogenfeld, als wenn es nichts wäre. Nach dem Deutschen Rekord in der Qualifikation ließen sie der Konkurrenz auch in der Ko-Runde keine Chance respektive Satzpunkt, drei Mal hieß es 6:0. Im Finale warteten mit Katrin Haneberg & Jan Stollberg (BSC Hohen Neuendorf 1) die Stechkönige des Wettbewerbs. Denn sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale gewann das Duo erst im Stechen (15:12 und 18:15). Dazu kam es im Goldfinale zwar nicht, aber es ging spannend zu beim 5:3 (24-24, 31-29, 30-31, 34-31): „Hintenraus haben wir es spannend gemacht, natürlich war Nervosität im Spiel, es war ein anderes Setting, so viele Zuschauer sind auch selten“, erklärt Heydasch, für den es bereits der fünfte DM-Titel ist. Dementsprechend optimistisch ging das Duo auch an den Start: „Wir wollten schon eine Medaille, da wir diese Saison beide stark geschossen haben und hatten uns etwas vorgenommen!“ Das gelang mit Bravour, inklusive neuem deutschen Rekord („Den nehmen wir on top auch noch mit.“). Für Lieb war es dagegen Titel Nummer eins, ein Umstand, der ihr gefällt: „Es macht schon Spaß, es ist ein gutes Gefühl.“ Bronze ging an Susan Schumann & Daniel Dick (PSG Gera e.V. seit 1660 1), die sich im Bronzematch 5:4 (30-31, 31-30, 29-32, 36-29, 13-11) gegen Nora Kipferler & Tim Hubrich (BC Initiative Hergolding 2) durchsetzten.
Compound: Neuauflage des letztjährigen Goldfinals geplatzt
Vieles deutete auf eine Final-Neuauflage des vergangenen Jahres hin, als Katharina Raab und ihr Vater Matthias Gold vor Marie Marquardt & Tim Krippendorf (Blankenfelder BS 1) gewannen. Doch Papa Raab agierte sichtlich geschwächt, konnte den Fuß nicht wie erforderlich belasten. Und so unterlag das Familien-Duo dem starken Team Katharina Kutscher & Christian Rohe im Stechen, weil der bessere Pfeil (18:18) dem Duo von der BC Initiative Hergolding 1 zugerechnet wurde und schießt nun gegen Cicek Akcakaya & Alexander Böing (Hamburger Bogensch. Gilde 11). Marquardt & Krippendorf hatten dagegen wenig Mühe, erneut in das Goldfinale einzuziehen, in der sie die Favoritenrolle annehmen: „Wir wollen gewinnen, und ich würde sagen, wir sind favorisiert, weil wir mehr Erfahrung haben“, so Marquardt, die das starke Niveau aller Compound-Teams lobte. Krippendorf machte dagegen etwas auf Understatement: „Ich bin auch mit Platz zwei vollauf zufrieden. Wir waren gut heute bei dem Wind, aber dass wir es bis ins Goldfinale geschafft haben, da hatten wir auch etwas Glück.“
Recurve Ü18: „Traumfinale“ der Top-Stars
Es gibt auf jeden Fall einen neuen Titelträger in der Ü18-Recurveklasse. Titelverteidigerin Elisa Tartler schied mit neuem Partner (Christian Wagner) im Viertelfinale aus, am Sonntag kämpfen in der Finalarena vor dem Neuen Rathaus Katharina Bauer & Moritz Wieser (BSG Raubling 3) und Charline Schwarz & Florian Unruh (SSC Fockbek 1) um den Titel. Und damit vier der absoluten Top-Stars der Szene: Bauer und Wieser gewannen in diesem Jahr mit ihren Teamkollegen jeweils den Mannschafts-Titel bei der Europameisterschaft in Antalya/TUR, Schwarz gewann Team-Bronze bei den Olympischen Spielen in Tokio, Unruh Mixed-Silber bei den Olympischen Spielen in Paris. Während Schwarz & Unruh souverän den Weg ins Finale fanden und in den drei Ko-Rundenmatches lediglich drei Satzpunkte abgaben, mussten Bauer & Wieser im Halbfinale um den Einzug in das Goldfinale zittern: Erst im Stechen besiegten sie das Duo Elina Idensen & Bastian Gropp mit 18:13, die im Bronzematch auf Frida Janke & Jakob Weske treffen. Unruh vermied eine Kampfansage vor dem Goldmatch, das im vergangenen Jahr das Bronzematch war und aus seiner Sicht verloren ging: „Wir wollen so gut schießen, wie es geht und dann gucken wir, was dabei herauskommt.“
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